Bundesgerichtshof prüft Rückforderung von Verlusten bei illegalen Online-Casinos
Felix Müller · Oct 7, 2026

Bundesgerichtshof prüft Rückforderung von Verlusten bei illegalen Online-Casinos

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe befasst sich derzeit mit einem Verfahren, das klärt, ob Spieler Verluste aus illegalen Online-Casinos zurückfordern können, und zwar in einem Leitfall, bei dem ein Kläger etwa 10.000 Euro von Tipico Games verlangt für Einsätze zwischen Dezember 2020 und September 2022, als der Anbieter über eine maltesische Lizenz verfügte, aber keine deutsche Genehmigung besaß.
Der konkrete Fall und seine Hintergründe
Der Kläger hatte in dem genannten Zeitraum bei Tipico Games gespielt und dabei Verluste in Höhe von rund 10.000 Euro erlitten, während der Betreiber zwar eine Lizenz aus Malta hielt, jedoch keine Erlaubnis nach deutschem Recht besaß, und die Vorinstanzen hatten bereits entschieden, dass die Spielverträge wegen des damals geltenden totalen Verbots von Online-Glücksspiel nichtig seien.
Das Landgericht Heilbronn und das Oberlandesgericht Stuttgart hatten dem Kläger in erster und zweiter Instanz Recht gegeben, wobei sie sich auf die Rechtslage stützten, die vor der Einführung des neuen Glücksspielstaatsvertrags galt, und nun liegt die Sache beim Bundesgerichtshof, der die Revision prüft und voraussichtlich im Oktober 2026 eine Entscheidung verkünden wird.
Die rechtliche Ausgangslage vor dem BGH
Die Richter am Bundesgerichtshof müssen klären, ob die Spielverträge mit einem nicht in Deutschland zugelassenen Anbieter als nichtig anzusehen sind und ob daraus ein Anspruch auf Rückzahlung der Verluste erwächst, während Experten aus der Jurisprudenz darauf hinweisen, dass die bisherige Rechtsprechung der unteren Instanzen einheitlich zugunsten der Spieler ausfiel.
Das Oberlandesgericht Stuttgart hatte in seiner Entscheidung festgestellt, dass die Verträge wegen Verstoßes gegen das damalige Verbot unwirksam seien, und diese Auffassung wird nun vom höchsten Zivilsenat überprüft, wobei die Frage im Raum steht, ob die maltesische Lizenz ausreichte oder ob die fehlende deutsche Erlaubnis den Vertrag insgesamt entwertet.
Die bisherigen Urteile der Instanzgerichte
Im Verfahren vor dem Landgericht Heilbronn hatte der Kläger seine Forderung auf Rückerstattung der Einsätze gestützt und das Gericht hatte ihm stattgegeben, da die Teilnahme am Online-Glücksspiel ohne deutsche Lizenz gegen geltendes Recht verstieß, und das Oberlandesgericht Stuttgart bestätigte dieses Ergebnis in der Berufung, indem es die Nichtigkeit der Verträge bekräftigte und die Berufung des Betreibers zurückwies.
Beide Instanzen bezogen sich dabei auf die Rechtslage vor Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021, als Online-Casinos in Deutschland vollständig verboten waren, und sie sahen in der maltesischen Lizenz keinen ausreichenden Rechtfertigungsgrund für die Durchführung der Spiele auf dem deutschen Markt.

Auswirkungen auf weitere Verfahren
Sollte der Bundesgerichtshof die Auffassung der Vorinstanzen bestätigen, könnten zahlreiche ähnliche Klagen von Spielern gegen nicht lizenzierte Anbieter erfolgreich verlaufen, während bereits jetzt mehrere Verfahren bei anderen Oberlandesgerichten ruhen und auf die Entscheidung aus Karlsruhe warten, und Beobachter der Szene rechnen damit, dass eine klare Linie des höchsten Gerichts die Rechtsprechung in ganz Deutschland vereinheitlichen wird.
Die Entscheidung des BGH wird auch für Anbieter mit ausländischen Lizenzen von Bedeutung sein, da sie festlegt, ob Spielverträge ohne deutsche Erlaubnis rückabwickelbar sind, und in der Folge könnten Betreiber wie Tipico Games mit weiteren Forderungen konfrontiert werden, die sich auf denselben Zeitraum und dieselbe Rechtslage beziehen.
Die Rolle des neuen Glücksspielstaatsvertrags
Seit dem Inkrafttreten des neuen Staatsvertrags im Jahr 2021 existiert ein regulierter Markt für Online-Glücksspiel in Deutschland, doch der vorliegende Fall betrifft ausschließlich den Zeitraum davor, als noch ein vollständiges Verbot galt, und der Bundesgerichtshof muss daher entscheiden, ob die damaligen Verbotsnormen auch nach Einführung der neuen Regelungen noch rückwirkend Ansprüche begründen können.
Die Übergangsregelungen des Staatsvertrags spielen in der Argumentation der Parteien eine zentrale Rolle, während die Richter prüfen, ob die fehlende deutsche Lizenz während der Spielphase die Verträge endgültig entwertet hat oder ob spätere Legalisierungen Einfluss auf die Rückforderbarkeit nehmen.
Conclusion
Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs wird voraussichtlich im Oktober 2026 ergehen und damit eine wichtige Weichenstellung für die Rückforderung von Spielverlusten bei illegalen Online-Casinos darstellen, wobei die bisherige Linie der Instanzgerichte in Karlsruhe einer abschließenden Prüfung unterzogen wird und Betroffene sowie Anbieter gleichermaßen auf die Klärung der zentralen Rechtsfragen warten.